Forschungsprojekte (von Absolventinnen und Absolventen) des Masterstudienganges Komplexes Entscheiden (Professional Public Decision Making)

 

Maximilian Hohmann

Ethikexpertise in öffentlichen Entscheidungsprozessen: Funktionaler Dissens in Ethikkommissionen als Qualitätsmerkmal ethischer Politikberatung

In öffentlichen Entscheidungsprozessen werden politische Entscheidungsträger aufgrund der Vielzahl und Komplexität der Themen durch Gremien der wissenschaftlichen Politikberatung unterstützt. In nahezu jedem Politikfeld werden Kommissionen eingesetzt, um die Entscheidungen durch die Berücksichtigung von wissenschaftlicher Expertise abzusichern. Im Rahmen der ethischen Politikberatung besteht die Aufgabe der Expertengremien vordergründig darin, konkrete Empfehlungen und Stellungnahmen hinsichtlich ethischer Fragestellungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln zu entwickeln. Im Zuge dessen verfügen die Mitglieder der Ethikkommissionen über weitreichende Mitgestaltungsmöglichkeiten politischer Entscheidungsprozesse, sehen sich allerdings auch dem Einigungsdruck von Seiten der Politik ausgesetzt. Im Gegensatz zu diesem Konsenswunsch ist im Verlauf des Beratungsprozesses jedoch der Dissens unter den Gremienmitgliedern als Grundmerkmal von Expertise zu identifizieren. In diesem Spannungsfeld von Konsens und Dissens in öffentlichen Entscheidungsprozessen steht die ethische Expertise im Mittelpunkt der Dissertation von Maximilian Hohmann.

 

 

Marcus F. Hrach

Eine gerechte Verteilung der durch die  Energiewende erzeugten Mehrkosten - Eine auf Entscheidungsexperimenten und Umfragen basierende gerechtigkeitstheoretische Analyse des aktuellen Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) und dessen Alternativen im globalen klima-ethischen Kontext

Gegenstand der Dissertation von Marcus F. Hrach ist die Evaluierung verschiedener nationaler klimapolitischer Strategien, basierend auf den Ergebnissen eigener Umfragen und Entscheidungsexperimente in einem globalen klimaethischen Kontext. Die möglichen Alternativen werden aus den politischen und sozialen Schwachstellen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) hergeleitet und an theoretischen Kriterien einer Verteilungsgerechtigkeit  gemessen. Mit Hilfe der im interdisziplinären Forschungsprojekt AKZEPTANZ durchgeführten Entscheidungsexperimenten und Umfragen, werden schließlich die Klimaschutzpräferenzen und die willingness to pay der Bürger ermittelt und diese Ergebnisse an philosophischen Gerechtigkeitstheorien gespiegelt, woraus sich ebenfalls eine fundierte Präferenzanzeige für eine der ausgearbeiteten Alternativen ablesen lässt.

 


Romina Lambrecht

Der Umgang mit Nanotechnologie als komplexes Entscheidungsproblem

Die Nanotechnologie entwickelt sich schnell und bringt eine große Anzahl von Materialien mit neuen Eigenschaften hervor. Es wird prognostiziert, dass die Anzahl von Produkten, in denen Nanomaterialien eingesetzt werden, in den nächsten Jahren stark ansteigen wird. Neben den Chancen sind mit dieser relativ jungen Technologie jedoch auch Risiken verknüpft. Es mangelt zudem an verlässlichen Daten zu möglichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder auf die Umwelt. Die Herausforderung des Umgangs mit Nanotechnologie und Nanomaterialien liegt dabei in der Komplexität, die sowohl der Forschungsgegenstand selbst als auch der mit der Implementierung verbundene Entscheidungsprozess aufweisen. In der Dissertationsarbeit von Romina Lambrecht wird dieser Entscheidungsprozess analysiert und vorhandenes Nichtwissen aufgezeigt.

 

 

Renke Reinstrom

Theorie des Nicht-Entscheidens

Renke Reinstrom erstellt eine Theorie des Nicht-Entscheidens. Während das Entscheiden in seinen unterschiedlichen Formen und Praktiken erforscht wird, ist das Nicht-Entscheiden bis jetzt wenig untersucht worden: So basiert das Projekt auf der Annahme, dass in der Praxis Formen und Verfahrensweisen vorhanden sind, die darauf ausgerichtet sind, Entscheidungen nicht zu treffen. Hierbei kann an die Entscheidungsvermeidung oder den Entscheidungsaufschub gedacht werden, aber auch an manipulative Praktiken wie die Beeinflussung von zur Wahl stehenden Alternativen. Das Forschungsprojekt ist interdisziplinär ausgerichtet, so gibt es in einigen Disziplinen bereits vereinzelt Forschungsansätze zu Nicht-Entscheidungsprozessen, eine zusammenhängende Aufarbeitung des Themas ist jedoch noch nicht vorhanden.